Montag, 29. Juli 2013

LBU: Neue Verkehrsstudie kritisiert unsinnige Autobahnpläne

Der Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen (LBU) begrüßt die Aussagen einer aktuellen Verkehrsstudie zum Bau überflüssiger, überdimensionierter und überteuerter Autobahnen, die der Dresdner Wissenschaftler Ditmar Hunger im Auftrag von Bündnis 90 / Die Grünen erstellt hat und die vorab in der aktuellen Ausgabe der Wirtschaftswoche bekannt wurden.

Am Beispiel auch der geplanten A 39 und ihres schlechten Nutzen-Kosten-Verhältnisses ließen sich die Aussagen der Studie gut belegen, dass anfangs „die prognostizierten Kosten niedrig und der Nutzen hoch gerechnet“ werde, um Projekte politisch durchzusetzen. Anstelle von unfinanzierbaren Maximallösungen, so das Ergebnis der Studie, müssten „Verkehrsengpässe und Sicherheitsdefizite durch kleinteilige, bestandsorientierte und an die lokalen Gegebenheiten angepasste Lösungen verbessert werden“. LBU-Vertreter Eckehard Niemann wertete auch diese Aussage des Gutachtens als klares Plädoyer für einen 2+1-Ausbau der B 4, der ja von der Landesregierung als Alternative zur A 39 beim Bundesverkehrsministerium angemeldet sei. Das Bundesministerium habe bereits den Vorrang von Erhaltungsinvestitionen und eine Prüfung neuer Projekte nach objektiven Nutzen-Kosten- und Umwelt-Kriterien angekündigt. Die zunehmende Nervosität und Hektik einiger A-39-Befürworter, so Niemann, beweise die Richtigkeit der Forderung der vielen A-39-Gegner nach einem realistischen, bedarfsgerechten und regionaldienlichen Ausbau vorhandener und alternativer Verkehrswege.

Quelle: Pressemitteilung Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen e.V. Regionalgruppe Ostheide – Eckehard Niemann, Varendorfer Str. 24 29553 Bienenbüttel

Samstag, 13. Juli 2013

Ein Eber, ein Fuchs, die A39-Treibjagd und verdiente Schonzeit

Hallo zusammen,

ein Eber der Brecht zitiert auf der Homepage unserer Hohnstorfer Kollegen vom anderen Ende der geplanten A39, brachte mich auf die Idee mit der A39-Treibjagd. Zu solch einem weidmännischem Ereignis laden örtliche Revierinhaber gerne mal externe Gäste ein. Entweder beteiligen sie sich am Treiben oder sie stehen als Schützen am Ende vor, zielen und machen im richtigen Moment den Finger krumm, um am nächsten Tag stolz ihre Trophäen in der Lokalpresse zu präsentieren.

Bei dieser Fabel kann sich jeder seine Rolle aussuchen. Die von Autobahn-Gerüchten, Vermutungen und anderen Halbwahrheiten Getriebenen, sollten wir uns aber nicht annehmen. Dann doch lieber die des schlauen Fuchses, welcher selbst beim zweiten Treiben noch Ruhe und Gelassenheit bewahrt und die Krawallbrüder an sich vorüber ziehen lässt. In der nächsten Zeit wird es nun wohl keine A39-Treibjagd mehr im Boldecker Land geben und somit hoffentlich etwas Ruhe einkehren. Dann gibt es sogar vom Eberheart einen: Ganz wildschweinischen Glückwunsch!

Selbst in aktuellen Presseinformationen des Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr "vergisst" man wohl immer öfter Herrn Lies das Wort "Autobahn" in seine Rede zu schreiben!?

Bundesverkehrsminister Ramsauer tritt derweil von einem Fettnäpfchen ins nächste. Zumindest im heimischen Revier kann der Peter mit neuen Bauvorhaben noch punkten...

Bitte den 04. September dick im Kalender einkreisen. Der BUND lädt dann zu einer Veranstaltung  mit Prof. Dr. Gather hier in der Region.Termindetails folgen.

Für uns bleibt noch folgende Frage offen: Wo bleibt das A39-Gutachten der Samtgemeinde Boldecker Land?

In meinem Fazit aus dem Trubel der letzten zwei Wochen: "Es gibt keine Heiligen im Boldecker Land" habe ich mich bereits für den Sommerurlaub abgemeldet. Jetzt ist Schonzeit mit der Familie angesagt.


Einen schönen Sommer,
Norbert Schulze

Mitglied der Bürgerinitiative Natürlich Boldecker Land http://www.VernunftBuerger.de
Der Inhalt dieses Beitrages ist meine persönliche Meinung. Er wurde von keiner Redaktion auf Richtigkeit und/oder Vollständigkeit geprüft und stellt nicht notwendiger Weise die Meinung der Bürgerinitiative "Natürlich Boldecker Land" dar.

Donnerstag, 11. Juli 2013

Es gibt keine Heiligen im Boldecker Land

Hallo zusammen,

"... schütze alle die ich lieb, alles Böse mir vergib." lautet eine Zeile aus dem Gute-Nacht-Gebet, welches ich jeden Abend mit meinen Kindern spreche. Keine Angst, mein "Gottesdienst" am Sonntagmorgen beschränkt sich ansonsten auf einen 10 Km Lauf durch unser natürliches Boldecker Land. Trotzdem musste ich in der vergangenen Woche bei der Zeile nachdenken...

Dann tat ich etwas, was man eigentlich Abends vor dem zu Bett gehen besser nicht tun sollte, ich fragte Google. Mit erstaunen stellte ich fest; Wir befinden uns in guter Gesellschaft. Immer und immer wieder werden Bürgerinitiativen mit inflationär verwendeten Attributen belegt. Das fängt schon damit an, wenn man uns plump mit "Autobahngegner" betitelt. Nach dem Motto "Schublade auf: Ökofuzzis rein!" Alle respektlos, dumm, zukunftsfeindlich, etc.

Bürgerinitiativen sind keine Sekten und erst recht keine Gefahr für die Demokratie. Politiker sollten sie als Chance sehen und nicht als Bedrohung.

"Eine Bürgerinitiative ist eine aus der Bevölkerung heraus gebildete Interessenvereinigung, die aufgrund eines konkreten Anlasses in ihrer politischen, sozialen oder ökologischen Welt Selbsthilfe organisiert und somit möglicherweise Einfluss auf die öffentliche Meinung, auf staatliche Einrichtungen, Parteien oder andere gesellschaftliche Gruppierungen nimmt." (Quelle: Wikipedia)

Auch im Boldecker Land gibt es keine Heiligen. Es gibt Menschen mit Ecken und Kanten und niemand sollte sich für unfehlbar halten. Es ist falsch Kommentare einzelner Mitglieder dazu nutzen, um eine gesamte Bürgerinitiative in die "Schmuddelecke" zu stellen. Ebenso verwerflich ist es, jetzt unter den Tappenbeckern Zukunftsängste zu schüren. Selbst ein Papst ist ersetzbar, wie wir erst vor wenigen Wochen erlebt haben.

Die Tappenbecker Ratsmitglieder Achim Kohn und Kai Schneider haben sich absolut nichts vorzuwerfen. Selbst außerhalb des aktuellen Gemeinderates, gibt es in Tappenbeck viele engagierte und kompetente Leute. Ich traue den Tappenbeckern jedenfalls sehr viel zu!

Etwas mehr Gelassenheit würde uns allen gut zu Gesicht stehen. Selbst wenn Leute wie Lach, Ferlemann und Tanke mit Gerüchten und Vermutungen die Menschen hier verunsichern. Was die Herren selbstsicher zu wissen scheinen, sollte uns niemals in Panik versetzen lassen. Ich weiss nicht, ob wir den geplanten Ausbau der A39 bald stoppen können, aber ich glaube fest daran!

Das Eingangs erwähnte Gebet endet mit der Zeile: "... kommt der helle Sonnenschein, lass mich wieder fröhlich sein." In diesem Sinne wünsche ich Allen eine fröhliche Sommerzeit.


Bis dann,
Norbert Schulze

Mitglied der Bürgerinitiative Natürlich Boldecker Land http://www.VernunftBuerger.de
Der Inhalt dieses Beitrages ist meine persönliche Meinung. Er wurde von keiner Redaktion auf Richtigkeit und/oder Vollständigkeit geprüft und stellt nicht notwendiger Weise die Meinung der Bürgerinitiative "Natürlich Boldecker Land" dar.

Montag, 8. Juli 2013

Wo bleibt das A39-Gutachten der Samtgemeinde Boldecker Land?

Hallo zusammen,

im ganzen Trubel der letzten Woche ging ein nicht ganz unwesentliches Detail vollkommen unter. Nämlich das A39-Gutachten der Samtgemeinde Boldecker Land. Es belegt eindrucksvoll die Nachteile für unsere Region. Teile davon kann man im Jahresbericht des Planungsbüros nachlesen.

Zitat: In der Gesamtschau auf die Stärken und Schwächen so wie Chancen und Risiken der allgemeinen städtebaulichen Entwicklung, die mit dem Weiterbau der A 39 im Boldecker Land zu erwarten sind, konnte „ungeschminkt“ nur den Schluss zulassen, dass die negativen Einflüsse und Verluste für die Boldecker Bevölkerung überwiegen werden und es für die Samtgemeinde nicht viel zu gewinnen geben wird. Die neue Autobahn im Zentrum der Samtgemeinde wird allgegenwärtig sein. Zusammengefasst muss man sagen: „Das Boldecker Land verliert seine Unschuld“.

Umso mehr muss natürlich dennoch versucht werden, Konzeptansätze zu formulieren, die Samtgemeinde wenigstens in Teilaspekten auch „auf die Gewinnerstraße“ führen könnte und die Gefahr von Wettbewerbsverlusten zumindest in Grenzen hält. Künftige Wettbewerber für anspruchsvolles „idyllisches Wohnen“ werden vermutlich eher in attraktiven Lagen des Stadtgebietes Wolfsburg erwachsen.

Dieses Gutachten kann man weder ignorieren, noch verleugnen. Auch das oft gebrauchte "Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing" zählt hier nicht. Wir wünschen uns, das das vollständige Gutachten im Sinne einer offenen und ehrlichen Politik allen Bürgern zur Verfügung gestellt wird.


Schöne Woche,
Norbert Schulze

Mitglied der Bürgerinitiative Natürlich Boldecker Land http://www.VernunftBuerger.de
Der Inhalt dieses Beitrages ist meine persönliche Meinung. Er wurde von keiner Redaktion auf Richtigkeit und/oder Vollständigkeit geprüft und stellt nicht notwendiger Weise die Meinung der Bürgerinitiative "Natürlich Boldecker Land" dar.

Donnerstag, 4. Juli 2013

Umgehung von verkrusteten Pro-A39-Denkstrukturen

Hallo zusammen,

die Tappenbecker begeistern sich für Demokratie und wollen nicht nur eine Ortsumgehung, sondern vor allem eine Umgehung von verkrusteten Pro-A39-Denkstrukturen.

Bereits bei der Landtagswahl im Januar haben sie ein viel beachtetes Ausrufungszeichen gesetzt. Statt sich zurück zu lehnen nach dem Motto: "Nun macht mal ihr Grünen", haben sie offensichtlich den Spaß an Bürgerbeteiligung beibehalten und feiern jetzt einen weiteren Erfolg in Richtung Vernunft. Obendrein besteht bald die Chance einen frischen Bürgermeister zu bekommen, der sich nicht "A39-Resignation" auf die Fahne geschrieben hat.

Gifhorner Rundschau: Abstimmung über Haltung zur A39
Aller Zeitung: Umfrage in Tappenbeck ergibt: Mehrheit gegen die A39
Aller Zeitung: Herbermann tritt als Bürgermeister zurück 
Bi: Bürgermeister-Rücktritt nach A39-Abstimmung im Gemeinderat Tappenbeck

Nach den unglücklichen Pro-A39-Kommentaren der Herren Lach, Ferlemann und Tanke, greift die Autobahnlobby nach einem weiteren rettenden Strohhalm. Jetzt soll die A39 also auch noch wahre Wunder vollbringen – und mehr Ärzte in unsere Region locken!

Die Meldung "Umfahrung für Jembke vorerst gestrichen" klingt schlimmer als sie ist, denn kurz darauf erreichte uns ein offizielle Schreiben von Hinrike Böhm (Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr). Zitat: Sollte sich aufgrund der NKV-Ermittlung des BMVBS im kommenden Jahr herausstellen, dass sich der Bund gegen den Weiterbau der A39 und für die Alternative Ausbau B4 entscheidet, könnten die Ortumgehungen Jembke, Wittingen und Ehra im Zuge der B248 für den Bundesverkehrswegeplan 2015 nachgereicht werden. Diese besondere Vereinbarung wurde mit dem Bund getroffen, um keine Nachteile für die Bürger vor Ort entstehen zu lassen und im ersten Schritt einen guten Vergleich zwischen dem Projekt "Ausbau der B4" und dem Projekt "Neubau A39" zu erzielen." 

Selbst bei Günther Jauch am Sonntag Abend wurde die schiefe Finanzlage vom Verkehrsminister noch einem deutlich gemacht. Ramsauer: "Erhalt vor Neubau". Die Schlagloch-Republik – geht Deutschland kaputt?


Bis dann,
Norbert Schulze

Mitglied der Bürgerinitiative Natürlich Boldecker Land http://www.VernunftBuerger.de
Der Inhalt dieses Beitrages ist meine persönliche Meinung. Er wurde von keiner Redaktion auf Richtigkeit und/oder Vollständigkeit geprüft und stellt nicht notwendiger Weise die Meinung der Bürgerinitiative "Natürlich Boldecker Land" dar.

Tappenbeck: Grundsatzentscheidung gegen die Autobahn A39

Bürgermeister-Rücktritt nach A39-Abstimmung im Gemeinderat Tappenbeck.


Mit fünf Ja- zu vier Nein-Stimmen und einer Enthaltung fand der Antrag, sich politisch gegen den Weiterbau der A 39 zu positionieren, Zustimmung im Tappenbecker Gemeinderat. Statt einer Autobahn wollen die Antragsteller Kai Schneider und Achim Kohn (beide WTB) eine Umgehungsstraße für ihren Ort beantragen. Bürgermeister Niklas Herbermann, ebenfalls Mitglied der »Wählergemeinschaft Tappenbecker Bürger«, legte daraufhin am Ende der Sitzung sein Mandat als Ratsherr zum 31. August nieder. Sein Bürgermeister-Amt, das der 75-Jährige seit 1995 ausübt, wird zunächst sein langjähriger Stellvertreter Gerhard Chananewitz übernehmen. Tappenbeck ist damit – nach Jembke – im Boldecker Land die zweite Gemeinde, deren Bürger sich mehrheitlich gegen die A 39 entschieden haben.

Es war eng, heiß und trotz geöffneter Fenster stickig, gestern im kleinen Sitzungssaal der 1408-Seelen-Gemeinde Tappenbeck. Über 60 Zuhörer drängten sich um die Runde der zehn Ratsherren. (Einer fehlte entschuldigt.) Die Sitzung wurde vom Bürgermeister auf die Minute pünktlich um 17.45 Uhr mit einer 15-minütigen Bürgerfragestunde eröffnet. Gleich zum Beginn übergab Tanja Düvel, Mitglied der Bürgerinitiative NATÜRLICH BOLDECKER LAND, an Niklas Herbermann Listen mit 623 Unterschriften von Tappenbeckern, die sich gegen den Bau der A 39 ausgesprochen hatten. Mehr als 20 freiwillige Helfer waren in der Gemeinde von Haus zu Haus gezogen und hatten die 1017 wahlberechtigten Bürger des Ortes zu ihrer Meinung befragt, nachdem eine offizielle Bürgerbefragung bei einer früheren Ratssitzung aus »Aufwands- und Kostengründen« abgelehnt worden war.

Tanja Düvel erklärte: »Viel zu lange hat man uns hier erzählt, dass die Mehrheit im Ort die A39 wolle – aber jetzt, mit diesen Unterschriften, können wir endlich mal beweisen: Das ist ja gar nicht so!« Sie bekam reichlich Applaus der Zuhörer, von denen die meisten mit ihrer Unterschrift bereits ihren Unmut gegen die Autobahn bekundet hatten.

Norbert Schubert, ebenfalls Mitglied der Bürgerinitiative NATÜRLICH BOLDECKER LAND, hatte aber »noch etwas anderes im Gepäck«: Das Gutachten eines Hannoverschen Planungsbüros aus dem Jahr 2009, dessen Experten schon damals eindringlich vor negativen Folgen für das Boldecker Land durch einen Weiterbau der A39 gewarnt hatten. Dieses Gutachten, so erläuterte Ratsherr Kai Schneider, sei nach Erkenntnissen der Bürgerinitiative NATÜRLICH BOLDECKER LAND, der Schneider ebenfalls angehört, damals an alle Bürgermeister der Samtgemeinde Boldecker Land verteilt worden. Sowohl Schneider als auch Schubert wollten wissen, ob es zuträfe, dass das Gutachten im Auftrag der Samtgemeinde erstellt worden war und warum danach offenbar von den Politikern »nie gehandelt wurde«. Der Tappenbecker Bürgermeister Niklas Herbermann konnte – oder wollte – sich jedoch nicht mehr daran erinnern, diese Expertise schon einmal gesehen zu haben. Somit mochte er auch keine Fragen dazu beantworten. Auf die Erörterung dieses Themas und Fragen der Bürger danach, wird sich nun wohl Samtgemeindebürgermeister Lothar Leusmann gefasst machen müssen, der jedoch gestern nicht anwesend war.

Zum Unmut der Zuhörer, die vorwiegend wegen der Autobahn-Abstimmung gekommen waren, mussten nach der Bürgerfragestunde zunächst noch weitere, vergleichsweise belanglose Punkte auf der Tagesordnung abgehandelt werden, bevor Herbermann unter Punkt acht zum Wesentlichen kam. Doch vor der Abstimmung über den Antrag von Kai Schneider und Achim Kohn versuchte der Bürgermeister noch einen »Kompromiss« zu improvisieren:

Es werde sicher niemanden wundern, wenn er dem Antrag nicht zustimmen könne, sagte er. Schließlich könne »der Bund ja die Autobahn trotz des Widerstands noch bauen«. Man täte immer gut daran, damit zu rechnen und »darauf vorbereitet zu sein«, so Herbermann. »Und solange ich hier noch was zu sagen habe«, bekräftigte er schon fast trotzig, »kümmere ich mich um Gelder für unsere Sportanlage und werde mich auch bemühen, die Tank- und Rastanlage zu verhindern.« Deshalb wolle er sich nicht gegen die A 39 aussprechen.

Weshalb er nicht das Eine – die offizielle Haltung der Gemeinde gegen den Weiterbau der A39 – mit dem Anderen – im Falle des Autobahnbaus weiter gegen eine Rastanlage und für einen adäquaten Ersatz des Tappenbecker Sportheims zu kämpfen – verbinden könne, vermochte der 75-Jährige nicht zu sagen. Sein »Kompromiss-Vorschlag« lautete deshalb: Er wolle einen Brief an das Bundesverkehrsministerium schreiben, an »verschiedene Abgeordnete und auch an Herrn Lies, falls das gewünscht wird«, dass sich – Punkt eins – »die Mehrzahl der Bürger seiner Gemeinde bei einer Umfrage gegen die A 39 ausgesprochen hätten«. Und Punkt zwei: »Sollte der Bund dennoch die A 39 bauen, erwarte die Gemeinde, dass keine Tank- und Rastanlage (Anmerkung: zwischen Tappenbeck und Jembke) gebaut und genug Geld für ein neues Sportheim zur Verfügung gestellt werde«. Dieser Vorschlag endete mit fünf zu fünf Stimmen und wurde damit abgelehnt. Gleich darauf folgte dann die Abstimmung über den ursprünglichen Antrag von Kohn und Schneider, in der Herbermann mit seiner Position unterlag. Dass Niklas Herbermann am Ende der Sitzung seinen Hut als Bürgermeister nahm, habe dennoch nichts mit dem Abstimmungsergebnis zu tun, betonte er. Eine besondere Erklärung für seine Entscheidung lieferte er jedoch nicht.

Er sicherte zu, dem Votum des Rates zu folgen und dem Bundesverkehrsministerium die Tappenbecker Entscheidung gegen die A39 mitzuteilen. Es dürfte nach achtzehn verdienst vollen Jahren eine seiner letzten Amtshandlungen als Bürgermeister werden. Dazu, ob Herbermann sein Mandat im Kreistag beibehält, wurde gestern nichts mehr bekannt.

PRESSEMITTEILUNG: Anne-Kathrin Schulze, (Presse-Information Bürgerinitiative Natürlich Boldecker Land).

Mittwoch, 3. Juli 2013

Mangel an Landärzten in Niedersachsen wegen fehlender Autobahn?

A39 – Die Wunderautobahn?


Es ist kaum zu fassen: Jetzt soll die A 39 also auch noch wahre Wunder vollbringen – und mehr Ärzte in unsere Region locken! Wow. Tolle Idee von AOK-Funktionär Armin Schellin. Sie hätte auch glatt von MdL Detlef Tanke kommen können, der die SPD-Wahlkampf-Veranstaltung zur medizinischen Bedarfslage im Landkreis Gifhorn moderierte, bei der Schellin zu Gast war, und der auch nie müde wird, den »dringenden Bedarf« für die A 39 zu propagieren. Es ist richtig und wichtig, darauf hinzuweisen, dass bei uns Ärzte fehlen und dass dagegen etwas getan werden muss – aber was bitte schön hat das mit der A 39 zu tun?!

Das kann man nämlich auch andersherum sehen: Wenn ich als Arzt »aufs Land« gehe, dann wünsche ich mir doch echtes Landleben – und keine Autobahn, die dieses alles zerstören würde. Ich persönlich denke daher: Der Weiterbau der A 39 hielte noch mehr Ärzte von uns fern!
Nachzuvollziehen übrigens durch ein Fach-Gutachten, welches die Samtgemeinde Boldecker Land im Jahr 2009 in Auftrag gab. Darin wird vor den Konsequenzen der A 39 mit folgenden Worten gewarnt: »Künftige Wettbewerber für anspruchsvolles ›idyllisches Wohnen‹ werden vermutlich eher in attraktiven Lagen des Stadtgebietes Wolfsburg und/oder im Raum Wittingen/Hankensbüttel erwachsen.« Diese Attraktivität sollte sich der Nordkreis lieber erhalten, anstatt sie einer Autobahn zu opfern, die ebenso sinnlos wie teuer ist! Anne-Kathrin Schulze, Ehra-Lessien

 

LBU gegen Instrumentalisierung des Ärzteversorgungs-Problems für A-39-Lobbyismus


Als „unsinnig und verantwortungslos“ bezeichnet der Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen (LBU) Äußerungen bei einem Treffen von Politikern und Interessenvertretern mit der niedersächsischen Sozialministerin Cornelia Rundt, wonach die A 39 dafür sorgen könne, „dass sich hier Mediziner niederlassen“. LBU-Vertreter Eckehard Niemann forderte nachdrücklich dazu auf, die wirklichen Ursachen für die unzureichende Ärzteversorgung im Gifhorner Nordkreis in den Blick zu nehmen, statt sie effekthascherisch für die unsinnige Forderung nach dem Bau der A 39 zu instrumentalisieren. Damit werde in unverantwortlicher Weise von den Problemen und der Suche nach den wirklichen regionalen Ursachen und Lösungsansätzen abgelenkt.

Der LBU verwies auf den Ärzteatlas und zahlreiche Studien, die einen Bezug zwischen Arzt- und Autobahndichte eindeutig widerlegten. Es gebe einen erheblichen Ärztemangel auch in zahlreichen Regionen entlang von Autobahnen - am stärksten sei dieser Mangel bezeichnenderweise in Bremen, Berlin und dem Saarland. Das liege daran, dass es eben zahlreiche Faktoren und vielfältige Ursachen für den Ärztemangel gebe. Verantwortliche Politiker sollten deshalb auf eine konstruktive Regionalentwicklung mit einem Ausbau von Nahverkehr und vorhandenen Verkehrswegen setzen statt diese wegen einer ideologischen Fixierung auf die unfinanzierbare und regionalschädliche A 39 sträflich zu vernachlässigen.

Quelle: Pressemitteilung Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen e.V. Regionalgruppe Ostheide – Eckehard Niemann, Varendorfer Str. 24 29553 Bienenbüttel